Louis Braille

Der Pfriem und die Schrift

Als kleiner Junge spielte Louis Braille (1809-1852), Sohn eines Zimmermanns im französischen Ort Coupvray, gerne in der Werkstatt seines Vaters. Als er drei Jahre alt war, verletzte er sich, indem er sich unglücklich mit einem Pfriem ins Auge stach. Die Wunde entzündete sich und die Infektion führte schließlich zu seiner völligen Erblindung.

Im Jahr 1819 wurde Louis Braille am Nationalinstitut für blinde Kinder in Paris aufgenommen, wo er erfuhr, dass ein Offizier der französischen Armee eine Art Nachtschrift entwickelt hatte, mit der Nachrichten an die Front übermittelt werden konnten. Diese bestand aus einem Muster aus zwölf erhöhten Punkten, die auf bestimmte Weise angeordnet Codes ergaben, die im Dunkeln mit den Fingerspitzen ertastet werden konnten. Vermutlich ausgehend von diesem Prinzip entwickelte Louis Braille seine  Blindenschrift, die er im Alter von zwanzig Jahren erstmals präsentierte. Das Zwölf-Punkt-Muster hatte er durch ein weniger kompliziertes Muster aus sechs Punkten ersetzt, mit dem sich nicht nur Klein- und Großbuchstaben, sondern auch Satzzeichen, Zahlen und andere Schriftelemente darstellen lassen.

Seine Mitschüler fingen sofort damit an, die Brailleschrift zu verwenden, obwohl es noch weitere zwei Jahre nach Brailles Tod dauern sollte, bis das Institut die Schrift  offiziell im Jahre 1854 als vollwertige Blindenschrift zum Lesen und Schreiben anerkannte. Was die schriftliche Kommunikation und Erfassung von Informationen betrifft, ist die Brailleschrift auch heute noch weltweit der Standard für Blinde und Sehbehinderte. Mittlerweile wurden sogar Braillevarianten für Musik, Mathematik und Textverarbeitung auf dem PC und auf Mobilgeräten entwickelt.

Louis Braille hat mit seiner Blindenschrift unzähligen Blinden und Sehbehinderten Freiheiten verschafft. Die Freiheit, dich weiterzubilden, zu kommunizieren und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Oder, wie Jaap aus Alkmaar es mit seinem Sinn für Humor ausdrückt: „Als Blinder bin ich Louis sehr dankbar, dass er sich den Pfriem ins Auge gestochen hat und nicht ins Ohr!“