Blind und sehbehindert

Ursache und Ausmaß

Manche Menschen werden blind geboren, beispielsweise aufgrund einer Erbkrankheit. Bei anderen stellt sich erst im Laufe des Lebens eine Verschlechterung des Sehvermögens ein, manchmal bis zur Erblindung, und in Fällen, in denen ein Unfall die Ursache ist, sogar innerhalb sehr kurzer Zeit. Blinden und Sehbehinderten ist die Tatsache gemein, dass sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind.

Ein Mensch ist sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 30 % von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. (Sehrest ≤ 30 %).

Ein Mensch ist hochgradig sehbehindert, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 5 % von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. (Sehrest ≤ 5 %)

Ein Mensch ist blind, wenn er auf dem besser sehenden Auge selbst mit Brille oder Kontaktlinsen nicht mehr als 2 % von dem sieht, was ein Mensch mit normaler Sehkraft erkennt. (Sehrest ≤ 2 %)

Die verschiedenen Augenerkrankungen wirken sich extrem unterschiedlich, Beispiele finden Sie im Sehbehinderungs-Simulator des ABSV.

Blinde und sehbehinderte Menschen werden in Deutschland nicht gezählt. Das ist eigentlich unglaublich, wenn man bedenkt, wie nützlich empirisch erhobenes Zahlenmaterial wäre. In seinem Artikel  Doch die nicht sehen, zählt man nicht hat der blinde Historiker Dr. Hartmut Mehls bereits 2002 zurecht darauf hingewiesen, dass in vielen Bereichen Verantwortliche auf Vermutungen angewiesen sind, wo sie eigentlich Planungssicherheit bräuchten - als Beispiele seien nur die Blindenbildung, die öffentliche Hand und die Augenmedizin genannt.

Das Ministerium für Gesundheit der DDR veröffentlichte jährlich Zahlen auf Basis der Statistik der Blindengeldempfänger. Blinde Menschen, die kein Blindengeld beantragt hatten, wurden von dieser Statistik nicht erfasst, es blieb also eine Dunkelziffer.

Nach der Wiedervereinigung wurden die DDR-Zahlen per Dreisatz auf ganz Deutschland hochgerechnet. Die Zahl der Sehbehinderten wurde per Multiplikation ermittelt - auf Basis des Erfahrungswertes, dass auf drei blinde ca. zehn sehbehinderte Menschen kommen. So entstanden folgende Zahlen: In Deutschland leben ca. 150.000 blinde Menschen und ungefehr 500.000 sehbehinderte Personen*.

Diese Zahl steigt in den letzten Jahren kontinuierlich, u. a. deshalb, weil Menschen ein höheres Lebensalter erreichen und weil die Zahl der Diabeteserkrankten zunimmt. Diabetes gilt sogar als die wichtigste Ursache für Erblindung in Europa.

*bron: Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)